10
Mrz
2014
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Goodbye my Friend – Freunde gehen nie für immer

Es war Mitte November als mein bester Freund Marlon mich mit einer vollkommen absurden Idee überrumpelte.
„Anton, pass auf, Evi und ich werden in die USA auswandern, ich habe dort eine Stelle als Küchenchef in einem namhaften Hotel bekommen.“ Ich hielt dies erst für einen Scherz und lachte köstlich auf.“ Ja klar, du und USA und ich bin der Kaiser von China.“ Verwundert sah mich Marlon an. „Sorry aber das war kein Scherz, Anfang Januar geht es los.“

Vollkommen erschlagen von dem Gedanken, meinen besten Freund zu verlieren, machte ich erstmal einen Spaziergang. Mir wollte es nicht in den Kopf, dass der Mann, mit dem ich noch vor 30 Jahren in der Sandkiste gespielt habe, plötzlich mehrere tausend Kilometer von mir entfernt ein neues Leben beginnt. Ich weiß nicht genau ob es Neid war oder einfach nur tiefe Trauer meinen besten Freund vielleicht nur einmal im Jahr zu sehen.

Nach ein paar Tagen war die Trauer verflogen und ich wußte ich muss eine große Abschiedsfeier für Marlon und Evi organisieren.
Da wir beide Nordlichter sind, findet die Feier auch bei uns im Dorf statt. Ich fragte einen benachbarten Bauern ob dieser uns seine stillgelegte Scheune für diese Sause zur Verfügung stellt und er bejahte.
Fortan verbrachte ich die halbe Zeit des Tages damit, Helfer zu organisieren und Gäste einzuladen. Viel Zeit blieb nicht mehr.
Sofort erklärten sich 6 ehemalige Klassenkameraden dazu bereit, mir zu helfen. Bisweilen hab ich nicht gewußt das ich so gut delegieren konnte.
Ich schickte den einen in den Baumarkt um geeignete Sitzmöbel und Heizstrahler zu kaufen. Der andere organisierte die Deko, wieder einer das Essen und die Getränke. Währenddessen schrieb ich Einladungskarten für die Leute die ich telefonisch nicht erreichen bzw. deren Telefonnummer ich nicht hatte.

Da Marlon und Evi sehr beliebt waren, kamen auch eine Menge Leute zusammen. Allein 100 Partygäste habe ich telefonisch erreicht, 80 haben sofort zugesagt, und 20 erbaten sich noch etwas Gesprächszeit mit ihrem Partner.
Ich machte allen klar wie wichtig mir diese Feier ist und verwies auf eine verbindliche Zusage bis zum 10.12.2013.

Nun kam dieser Tag und ich könnte jetzt noch heulen wenn ich daran denke. Von den 100 geladenen Gästen haben alle zugesagt, von den 50 angeschriebenen Gästen haben alle zugesagt. Alle zu Ehren meines besten Freundes. Ich war überwältigt von soviel Wärme und Zusammenhalt.

Es sei überflüssig zu erwähnen, dass Marlon und Evi von diesem ganzen Trouble nichts mitkriegen sollten.

Meine sechs Helfer und ich werkelten fleißig, schmückten und dekorierten selbst zwischen den Feiertagen.
Nun stand der große Tag vor der Tür, unter dem Vorwand, mit beiden noch ein Bierchen trinken gehen zu wollen, lockte ich Marlon und Evi aus dem Haus.

Nach fünf Minuten: “ Das ist aber nicht der Weg zur Kneipe, wo fahren wir hin?“ Schnell beruhigte ich Marlon und gab an noch einen Bekannten abzuholen. Vor der Scheune angekommen, bat ich beide mitauszusteigen. Drückte beiden zwei Seidentücher in die Hand mit der Bitte, diese umzubinden. Marlon grinste nur. Nachdem ich beide in die dunkle Scheune geführt hatte, bat ich sie die Tücher abzunehmen. Mit Blick auf die Dunkelheit starrend, sagte Marlon nur:“ und nun, was sollen wir hier?“ Wie von Zauberhand ging plötzlich das Licht in der Scheune an und beide blickten auf einen festlich geschmückten Raum mit mehr als 150 Freunden. „Du glaubst doch nicht, dass ich dich ohne etwas fahren lasse,“ flüsterte ich gerührt. Nachdem sich alle beruhigt hatten feierten wir die ganze Nacht hindurch. Es gab viel zu erzählen, vorallem von alten Schultagen. Die engsten Freunde führten Sketche auf, sangen Lieder oder gaben Gedichte zum besten. Es muss schon so gegen 3:30 gewesen sein, da stand Evi plötzlich auf. „Darf ich alle einmal um Ruhe bitten?“ Sie bedankte sich bei allen Partygästen und machte nochmal klar, wie schwer es für beide ist, uns zu verlassen. Doch der Hammer kam noch: „Wir werden Eltern“, sagte Sie, „eine richtig kleine Familie und wenn es ein Junge wird, möchte ich, dass er Anton heißt“. Ich schluckte und wusste das es für beide der richtige Weg sein wird. Freunde gehen nie für immer.

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